Anders Beyer wird Direktor der Festspiele zu Bergen

Anders Beyer. Photo: Ole Christiansen
Anders Beyer. Photo: Ole Christiansen

Der Däne Anders Beyer (53) wird ab August 2012 Direktor der Festspiele zu Bergen. Er hat in einer Reihe zentraler Positionen in dänischem, nordischen und internationalen Zusammenhang mit Kunst- und Kulturvermittlung gearbeitet.

– Die Festspiele zu Bergen sind für mich eines der interessantesten Kulturfestivals im Norden da sich dort Kulturerbe, Volksfest und modernes Experiment unter einem Dach vereint. Dies hat im Laufe der Jahre vielen Menschen große Erlebnisse und Stoff zum Nachdenken gegeben, so Beyer, der von 2006 bis 2008 künstlerischer Berater von Festivaldirektor Per Boye Hansen war.

Beyer hat kulturelle Plattformen in Dänemark und im Ausland erschaffen und bringt Erfahrungen aus einem breiten Kulturfeld mit sich. Seit 2006 war er Leiter der Athelas Sinfonietta Copenhagen, die die letzten Jahre ein internationales Festivals für zeitgenössische Musik arrangiert hat – innerhalb von drei Jahren ist das Athelas New Music Festival zu Dänemarks größtem Festival für zeitgenössische Musik geworden und gehört zu den führenden seiner Art im Norden.  2009 initiierte Beyer darüber hinaus das Opernfestival in Kopenhagen, Copenhagen Opera Festival, das sich mit mehr als 25.000 Besuchern zu einem wichtigen kulturellen Faktor in Kopenhagen entwickelt hat.

- Mit großer Freude hat der Festspielvorstand Anders Beyer als Nachfolger von Per Boye Hansen gewählt. Die Ansprüche an diese zentrale Position im norwegischen Kulturleben sind hoch und zahlreich. Anders Beyer hat einen umfassenden künstlerischen und musikalischen Hintergrund, Engagement und Erfahrung mit Audience Development und innovativer Vermittlung, samt Zusammenarbeit und Aufbau von Netzwerk im Blick. Dazu kommt sein starkes nordisches Profil. Dies macht ihn bestens dazu geeignet, die Festspiele zu Bergen von der starken heutigen Position weiterzuentwickeln, so Vorstandsvorsitzende Åse Kleveland.

Breit und schmal, international und lokal

Beyer studierte Musik und Philosophie und begann seine professionelle Karriere bereits als 10-jähriger. Er trat sowohl mit Rock- als auch Jazzbands auf, samt einer Reihe verschiedener Orchester. Beyer ist auch als Publizist und Musikredakteur des Tageblatts Information bekannt und hat Bücher und Artikel über nordische Musik verfasst.  Darüber hinaus war er verantwortlicher Redakteur der Dansk Musik Tidsskrift und Nordic Sounds.

Seit mehreren Jahrzehnten ist die klassische Musikkultur – von der frühen Renaissance bis zu den Meistern der Spätromantik – der Dreh- und Angelpunkt Beyers professioneller Tätigkeit. Das fachliche Wissen und Interesse war für Beyer der Eingang, ein internationales Netzwerk in der klassischen Musikbranche zu etablieren.

Beyer war für den nordischen Ministerrat verantwortlich für die Planung und Durchführung einer Reihe von Kulturprojekten inner- und außerhalb des Nordens. Er steht u. a. hinter Projekten mit Musik als friedenschaffendes Mittel auf dem Balkan in den 1990er-Jahren und public-diplomacy Projekten, darunter ein Projekt am Ground Zero in New York.

Infolge Beyer zeichnen die Festspiele sich durch Topqualität, Dialog zwischen Volkstümlichkeit und sogenannter „Feinkultur“ und dem gegenseitige Einfluss verschiedener Ausdrücke aus.

– Ich war selbst auf einer langen Reise durch die Populärmusikkultur bis hin zu den neusten Kunstformen. Diese Erfahrungen beinhalten einen enormen Respekt für sowohl die Populärkultur als auch die sogenannte Feinkultur. Für mich gibt es nichts, was besser wäre als etwas anders. Das ist eine grundlegende Einstellung bei meiner Arbeit – ich bin selbst ein Produkt von beidem, betont Beyer.

Beyer weist auch darauf hin, dass die Stärke der Festspiele in der produktiven Spannweite von global bis lokal liegt.

– Das Festival kann nicht nur das eine beinhalten. Für mich ist es nicht interessant, wenn ein Star as dem Ausland mit dem Flugzeug ankommt, ein Konzert gibt und danach wieder nach Hause fliegt. Ich möchte gerne die Begegnung ins Zentrum stellen – die Begegnung zwischen den großen Künstlern und dem Publikum – Kindern, Jugendlichen, Studenten und lokalen Akteuren in Bergen.

Beyers Arbeit mit Kultur war schon immer vom Willen geprägt, neue Wege zu erforschen und zu erproben, wie das Publikum Kunst begegnen kann. Beyer ist der Ansicht, dass am Anfang aller Audience Development der Ehrgeiz stehen muss, die hervorragendste Kunst der allerbesten Künstler zu präsentieren. Als Schlagwörter dienen ihm hierbei Professionalität, Engagement, Dialog und Herausforderung. Beyer hat gezeigt, dass die kunstarten- und genreübergreifende Zusammenarbeit, gemeinsam mit dem Aufbau von Verbindungen und Netzwerken in benachbarten Institutionen, zu großen bedeutungsvollen Resultaten führen kann.

Engagiert und miteinbezogen

Mit einem neuen Leiter startet immer eine strategische Übung, die mit den grundlegenden Fragen beginnt: Was sollen die Festspiele sein? Warum und wie?

– Mir ist Dialog sehr wichtig und ich möchte mich zu allererst mit den zentralen Partnern in Bergen vertraut machen und mir ihre Träume und Visionen anhören. Das Ziel der Festspiele sollte es sein, das Festival von ganz Bergen zu sein, das bedeutet, das wir es schaffen müssen, ein so großes und begeistertes Publikum wie möglich zu engagieren und miteinzubeziehen. Alle, die ernsthaft mit Kunst und Kultur arbeiten, wünschen sich, dass noch mehr Menschen diese wunderbare Welt entdecken, die man in Musik, Theater, Tanz usw. geboten bekommt. Trotzdem muss es Platz geben für Projekte die aus dem einen oder anderen Grund ohne die hohen Besucherzahlen auskommen müssen, meint Beyer.

Er freut sich auch über die bedeutende finanzielle Unterstützung, die die Festspiele aus der Wirtschaft und von Privatpersonen bekommen.

– Dies ist ein bedeutender Beitrag zu Wachstum und Qualität und ich freue mich darauf, neue strategische Verbindungen zu diskutieren die den Festspielen Wert zuführen können, u. a. in Form von Extramitteln oder neuen Partnerschaften.

Den bergenschen Rhythmus finden

Obwohl Beyer Däne ist, hat er ein starkes Verhältnis zu Norwegen.

– Ich habe viel in Norwegen gereist, aber das gute Verhältnis beruht vor allem darauf, dass ich hier so viele fantastische Menschen kennengelernt habe, sowohl beruflich als auch privat, sagt Beyer, der bereits im März nach Bergen zieht.

– Wenn man ernsthaft mit Kunst und Kultur in einer Stadt arbeiten will, muss man in der Stadt arbeiten um die besondere Stimmung und den Rhythmus vermitteln zu können. Ich möchte zuhören und mein Äußerstes geben um den Erwartungen gerecht zu werden, die an einen Festspieldirektor natürlich hoch sind, sagt er.

Weitere Informationen finden Sie unter Anders Beyer